Tagesgeld-Hopping lohnt sich
Bis zu 846 Prozent Zinsplus für Tagesgeld-Hopper
Was bringen die Neukundenangebote beim Tagesgeld wirklich? Um das zu ermitteln, haben wir die Zinserträge von drei sehr verschiedenen Tagesgeld-Anlegern in den letzten vier Jahren verglichen. Das Ergebnis: Treue beim Sparen wird nicht belohnt…


Wenn es einen Trend gibt, der sich verfestigt hat, dann ist es dieser: Bestandskunden erhalten aufs Tagesgeld überschaubare Zinsen. Neukunden hingegen werden mit attraktiven Renditen umworben. Die gelten zwar nur für wenige Monate. Doch die Aktionen tun noch immer, was sie sollen: Sie bescheren Banken neue Kunden – und neuen Kunden (zumindest vorübergehend) bessere Erträge.
Dahinter steckt folgende Ratio der Geldhäuser: Da nur die wenigsten Kunden alle paar Monate die Bank wechseln wollen, um erneut von einer Werbeaktion zu profitieren, bleibt das Gros der Neukunden ihnen erst einmal erhalten – und das Investment hat sich gelohnt.
In der Regel geht dieses Kalkül auch auf. Wer hat schon Zeit und Lust, alle paar Monate ein neues Konto zu eröffnen und seine Ersparnisse umzuziehen? Doch was wäre, wenn doch? Welche Rendite hätten Anleger wohl erzielt, wenn er in der Zeit zwischen August 2022 und Juli 2026 nach Ablauf des Aktionszeitraums konsequent zur nächsten Bank mit einem attraktiven Neukunden-Angebot gewechselt wäre?
Um das herauszufinden, hat FMH.de die Tagesgeld-Erträge von drei verschiedenen Kunden ermittelt und gegenübergestellt. Sie alle hatten zu Beginn des Betrachtungszeitraums 50 000 Euro auf dem Konto.
Drei unterschiedliche Kunden
Tipp: Seitlich wischen, um die gesamte Tabelle zu sehen ↔︎
Kundentyp | Wechselverhalten | Vorgehen | Strategie |
|---|---|---|---|
Tagesgeld-Hopper | 16 Bankwechsel in 4 Jahren, 17 Konten eröffnet | Wechsel bei einem Zinsvorteil von mindestens 0,5 Prozentpunkten; Orientierung am FMH-Tagesgeldvergleich | Nutzt konsequent attraktive Tagesgeldangebote und Neukundenkonditionen |
Direktbank-Kunde | Kein Bankwechsel in 4 Jahren | Bleibt bei seiner Direktbank und profitiert lediglich von deren Zinsanpassungen | Bequem, aber verzichtet auf bessere Angebote anderer Banken |
Filialbank-Kunde | Kein Bankwechsel in 4 Jahren | Bleibt bei seiner regionalen Filialbank; Zins wurde im Betrachtungszeitraum nur dreimal angepasst | Höchste Kundentreue, aber besonders geringe Nutzung attraktiverer Zinsangebote |
Wechselbereitschaft zahlt sich aus
Die Unterschiede bei den Zinserträgen sind eklatant.
Der Tagesgeld-Hopper hat innerhalb von vier Jahren insgesamt 6.744 Euro Zinsen erwirtschaftet. Der Direktbankkunde kommt auf 1.567 Euro. Der Kunde der regionalen Filialbank schaffte es gerade einmal auf 797 Euro.
Gewisse kleine Ungenauigkeiten bei der Zinsermittlung lassen sich zwar nicht ausschließen, da wir bei unseren Berechnungen nicht berücksichtigt haben, dass pro Kontowechsel ein bis zwei Tage verloren gehen können, weil das Geld in dieser Zeit auf einem Referenzkonto seiner Wahl liegt, bis es zur neuen Bank übertragen wird.
Bei einem ungefähren Zinsplus von 430 Prozent gegenüber dem Direktbank-Kunden und einem Plus von 846 Prozent gegenüber dem Anleger, der stoisch bei seiner Filialbank ausgeharrt hat, zeigt sich jedoch: Wer bereit ist, etwas Zeit und Aufwand zu investieren, erzielt mit seinem Tagesgeld auch in schlechten Zeiten mehr als nur einen Inflationsausgleich.
Vorsicht bei Konto-Koppelung
Ein Selbstläufer ist Tagesgeldhopping aber nicht. Einige Banken koppeln die attraktiven Aktionszinsen inzwischen an die Eröffnung eines Girokontos oder eines Depots.
Hier sollten Kunden genau hinschauen und überlegen, ob der Wechsel zu einer solchen Bank wirklich vorteilhaft ist. Denn ein ständiger Girokontowechsel hat in der Regel negative Auswirkungen auf den Schufa-Score.
Die Verpflichtung, ein Depotkonto bei der Bank zu eröffnen, hat hingegen keine großen Auswirkungen, selbst wenn man dieses Depot einfach verkümmern lässt.
Zusammenfassung
Fazit: Wer beim Tagesgeld regelmäßig wechselt und attraktive Neukundenangebote nutzt, kann seinen Zinsertrag deutlich steigern. Aus 50.000 Euro wurden beim Zinshopper innerhalb von vier Jahren 56.744 Euro. Damit lag sein Ergebnis 5.947 Euro über dem Filialbank-Kunden und 5.177 Euro über dem Direktbank-Kunden.
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Anlagezeitraum | Hannah Hopper | Dieter Direkt | Frank Filiale | |
Start | 09.08.2022 | 50.000 € | 50.000 € | 50.000 € |
Ende | 30.07.2026 | 56.744 € | 51.567 € | 50.797 € |
Vorteile im Vergleich
Tipp: Seitlich wischen, um die gesamte Tabelle zu sehen ↔︎
Vorteil Zinshopper gegenüber regionaler Filialbank | 5.947 € |
Vorteil Zinshopper gegenüber Direktbank | 5.177 € |
Vorteil Direktbank gegenüber regionaler Filialbank | 770 € |
Zugegeben, das Ergebnis ist etwas außergewöhnlich, weil Banken seit Februar 2024 teilweise Tagesgeldzinsen oberhalb des EZB-Einlagenzinses angeboten haben. Aber auch unabhängig davon gilt: Wer einen Tagesgeldzins erhält, der deutlich über dem Bestandskundenzins liegt, kann mit einem Wechsel spürbar mehr herausholen.

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