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05.02.2021

Gute Zeit für eine Anschlussfinanzierung

Forward-Darlehen: Selbst lange Vorlaufzeiten können sich jetzt lohnen

Günstiger als heute wird Baugeld wohl nicht mehr werden. Im Gegenteil: Wer in den kommenden Jahren eine Anschlussfinanzierung benötigt, sollte sich schon heute gegen höhere Zinsen absichern.

Max Herbst: Experte für Baufinanzierung und Zinsentwicklung
Max HerbstExperte für Baufinanzierung und Zinsentwicklung
Erstellt am 05.02.2021, Aktualisiert am 05.02.2021
Gute Zeit für eine Anschlussfinanzierung

Dauerlockdown, ein vermasselter Impfstart, neue Virusmutationen: Die Corona-Pandemie hat Deutschland noch immer fest im Griff. Und doch gibt es auch Anzeichen, die ein Ende des Ausnahmezustands ankündigen.

Ein wichtiges Indiz für eine Normalisierung der Finanzmärkte ist es zum Beispiel, dass sich in den USA die Renditen der Staatsanleihen und die Zinsen wieder nach oben entwickeln. In Deutschland ist mit einem ähnlichen Trend zu rechnen.

Und nicht nur die Zinsen dürften mittelfristig steigen. Experten erwarten, dass auch die Inflation wieder anzieht. Einen ersten Vorgeschmack gab es bereits zwischen Dezember 2020 und Januar 2021: Binnen eines Monats stieg die Inflation in Deutschland von minus 0,3 auf plus ein Prozent. Die stärkste Erhöhung der vergangenen 25 Jahre. Solch dramatische Sprünge sind zwar selten, und auch der aktuelle, extreme Teuerungsschub ist (zumindest teilweise) durch Sondereffekte zu erklären: Erstens gilt seit Januar wieder die reguläre Mehrwertsteuer von 19 Prozent und nicht mehr der coronabedingt gesenkte Satz von 16 Prozent. Zweitens sind seit Januar bestimmte CO2-Emissionen deutlich teurer geworden: Die Mehrkosten, die wie eine Steuer erhoben werden, betragen 25 Euro pro Tonne und erhöhen damit unmittelbar die Verbraucherpreise von Heizenergie und Kraftstoffen.

Weitere Teuerungsschübe in dieser Größenordnung sind in den kommenden Wochen und Monaten zwar nicht zu erwarten. Die meisten Experten erwarten aber zumindest leichte Aufwärtsbewegungen. Und damit dürfte auch das Baugeld teurer werden.

Bauherren oder Käufer, deren Zinsbindung in den kommenden Jahren endet, sollten daher überlegen, wie sie sich eine möglichst günstige Anschlussfinanzierung sichern können. Lohnt sich der Abschluss eines Forward-Darlehens? Welche Aufschläge müssen Kunden in Kauf nehmen, wenn sie sich die heutigen Konditionen für die Zukunft sichern wollen? Und wie hoch sind die Risiken eines verfrühten Abschlusses?

Forward-Darlehen: Wie eine Versicherung gegen Zinssprünge

Grundsätzlich gilt: Wer ein Forward-Darlehen abschließt, sichert sich – gegen einen gewissen Aufpreis – die aktuellen Zinskondition auch für die Zukunft. Er wettet also auf steigende Zinsen, in der Hoffnung, dass die Zinsersparnis die Mehrkosten für den Forward-Aufschlag (mehr als) aufwiegt.

Verbindliche Aussagen dazu, wann und in welchem Ausmaß die Zinsen steigen, kann in der aktuellen Lage zwar niemand treffen. Aktuell sind die Zinsen jedoch so niedrig, dass es eigentlich nur noch aufwärts gehen kann. Erste Tendenzen in diese Richtung ließen sich zum Teil schon im vergangenen Jahr beobachten: Zwischen Januar 2019 und Dezember 2020 bewegten sich die Tiefst- und Höchststände der Effektivzinsen zwischen 0,62 und 1,36 Prozent für zehn Jahre fest und zwischen 0,88 und 1,76 Prozent für 15 Jahre fest. Ähnliche (Mini)-Höchststände erwartet die FMH-Finanzberatung auch für die folgenden Jahre.

Doch lohnt sich deshalb schon ein Forward-Darlehen? Und wenn ja: Bis zu welcher Laufzeit? Die Banken bieten Vorlaufzeiten von zwischen sechs Monaten und fünf Jahre an, allerdings gilt dabei: Je länger die Vorlaufzeit, desto höher auch der Forward-Aufschlag.

Sich regen bringt Segen

Um das richtige Produkt zu wählen und kein Geld zu verschenken, sollten Interessenten unbedingt die Konditionen unterschiedlicher Anbieter vergleichen und beachten, dass neben dem Forward-Aufschlag auch der Beleihungsaufschlag den Preis der Anschlussfinanzierung beeinflusst. Ein Forward-Vergleich, der die Zinsen inklusiv Forward-Aufschlag und Beleihungskriterien ausweist, leistet hier gute Dienste, denn nur wer beide Komponenten kennt, kann die Kosten wirklich vergleichen.

Nur bedingt zu empfehlen ist es hingegen, sich in Sachen für Forward-Darlehen primär an die (kreditgebende) Hausbank zu wenden. Denn während diese meist mit dem Objektwert der Erstfinanzierung kalkuliert, legen Fremdanbieter stets den aktuellen Wert zugrunde. Das kommt dem Kunden zugute, denn in den vergangenen Jahren sind die Immobilienpreise zum Teil massiv gestiegen. Da Anschlussfinanzierer zudem schon einen erheblichen Teil ihrer Schulden getilgt haben, ist beim neuen Anbieter oft nur noch eine Beleihung von rund 50 Prozent oder weniger nötig. Auch das drückt den Zinssatz und macht das Forward-Darlehen noch erschwinglicher.

Zugegeben: Ein Bankenwechsel bei der Anschlussfinanzierung bedeutet einen gewissen Mehraufwand, weil Kunden dafür nochmal die Objekt- und Bonitätsunterlagen zusammenstellen und vorlegen müssen. Doch die Mühe lohnt sich: So ist etwa der Zinssatz für 50 Prozent Beleihung im Schnitt 0,40 Prozentpunkte niedriger als der Zins für 80 Prozent Beleihung. Diese Ersparnis muss man zwar mit den Mehrkosten für den Forward-Aufschlag gegenrechnen. Die aber sind zurzeit erfreulich günstig: Im Mittel kostet der Forward- Aufschlag für zwölf Monate derzeit nur 0,05 Prozentpunkte, bei 24 Monaten fallen 0,23 Prozentpunkte an. Bei 36 Monaten Vorlaufzeit zahlen Kunden 0,34 Prozentpunkte Aufschlag, bei 48 Monaten 0,44.

Fazit

Forward-Darlehen sind momentan zu absoluten Spitzenkonditionen zu haben. Wer beim Vergleich der Angebote auch auf die Objektwertgröße achtet und einen Bankenwechsel nicht scheut, kann selbst Forward-Aufschläge für vier oder mehr Jahre ausgleichen. Damit sichert er sich nicht nur dauerhaft die aktuellen Niedrigzinsen, sondert hat auch Planungssicherheit für die nächsten Jahre oder Jahrzehnte.

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