EZB bei Nacht (beleuchtet)
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Frankfurt 04.06.2024 –– Mancher Verbraucher, der gerade mit dem Hauskauf liebäugelt, dürfte sich in den nächsten Tagen verwundert die Augen reiben: Wenn die EZB den Leitzins senkt – müssten dann nicht auch die Bauzinsen sinken? Stattdessen steigen sie. Geben die Banken die Senkung etwa einfach nicht weiter und treiben ihre Marge damit nach oben?

Tatsächlich scheint es eine logische Schlussfolgerung: Wenn die EZB den Leitzins senkt, müssten doch alle anderen Zinsen folgen. Und so schauen alle gespannt auf Donnerstag: Für den 06. Juni wird eine erste Leitzinssenkung seit dem Erhöhungssprint, beginnend im Juli 2022, erwartet. Da der Leitzins schließlich, das steckt schon im Wort, eine “leitende Funktion” für den Zinsmarkt hat, müsste das ja bedeuten, dass alle anderen Zinsen ebenfalls sinken – auch die Bauzinsen. Doch das stimmt nicht und wir erklären gerne, weshalb.

EZB-Leitzinssenkung bedeutet niedrigere Anlage- und Ratenkreditzinsen – soweit stimmt die Annahme.

Da alle Welt die Leitzinssenkung für Donnerstag erwartet, haben viele Banken ihre Tagesgeld – und Festgeldzinsen bereits gesenkt. Manche in weiser Voraussicht, um sich den Ad-Hoc-Aufwand zu sparen. Andere, um ihre Zinsen anschließend nochmals senken zu können. Für den Verbraucher erscheint das logisch: Niedriger Leitzins, niedrigere Marktzinsen. Und so werden die Senkungen klaglos akzeptiert – schließlich haben sie auch positive Seiten: Sinken die Anlagezinsen, sinken auch die Konsumentenkredite, wenn die Banken fair arbeiten, da der Einkauf des Finanzierungsgeldes billiger wird. Doch wer jetzt erwartet, dass auch Baukredite günstiger werden, täuscht sich.

Deshalb hat die EZB-Leitzinssenkung nur bedingt Einfluss auf das Baugeld.

Wer wissen möchte, wie sich die Bauzinsen entwickeln, sollte nicht auf den Leitzins schauen, sondern auf die Inflationsrate. Die ist im letzten Monat nicht gefallen – und ob sie im Juni fällt, ist ebenfalls nicht sicher. Das verunsichert Investoren: Es ist die Pflicht der EZB, für eine stabile Währung zu sorgen. Wenn der Leitzins gesenkt wird, obwohl die Inflationsrate diese Entscheidung eigentlich nicht rechtfertigt, sagen sich Investoren: Deutsche Bundesanleihe ja, aber nur zu höheren Zinsen, wenn die EZB nicht für eine fallende Inflation sorgt. Eine Leitzinssenkung ist dafür bekanntlich kein geeignetes Mittel.

Steigt die Rendite der 10-jährigen Bundesanleihe, weil Investoren höhere Zinsen fordern, steigen auch die Pfandbriefrenditen – und damit am Ende auch die Bauzinsen. Deshalb gehen wir von FMH aktuell nicht von fallenden Bauzinsen aus, auch wenn die EZB den Leitzins senkt. Die amerikanische Notenbank FED sieht noch keine Möglichkeit, den Leitzins zu senken, da eine zu geringe Reduzierung der Inflation zu erwarten wäre. Die EZB will sich hier offenbar als Vorreiter positionieren. Im Sommer 2022 hatte sie mit der Senkung etwas zu lange gewartet – dieses Mal könnte es allerdings etwas zu schnell sein. Wir sind gespannt auf die weiteren Entwicklungen.

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