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Lesedauer: 3 Minuten
26.06.2026

Die Bauzinsen sinken wieder – doch ist das schon die Trendwende?

Die Wirtschaft schwächelt, große Reformen lassen (noch) auf sich warten. Und doch sinken die Renditen der Bundesanleihe – und mit ihnen die Zinsen für Immobiliendarlehen. Warum das so ist. Und was wir in der jüngeren Zukunft erwarten sollten.

Max Herbst: Experte für Baufinanzierung und Zinsentwicklung
Max HerbstExperte für Baufinanzierung und Zinsentwicklung
Erstellt am 26.06.2026, Aktualisiert am 26.06.2026
Bauzinsen schmelzen dahin

Wer dieser Tage die Weltsituation betrachtet, muss leider erkennen: Alte Gewissheiten sind nur noch wenig wert – oder sie verkehren sich sogar ins Gegenteil. Dieser Befund lässt sich an zwei Beispielen eindrucksvoll illustrieren.

  • Obwohl der Irankonflikt nach wie vor schwelt, fällt der Preis für Super und Diesel weit unter den Wert, den wir vor der Sperrung der Meerenge von Hormus gesehen haben. Verstehen muss man das nicht.
  • Obwohl die Regierung bisher weitreichende Sozialreformen verschleppt, die Umstrukturierung der Rente auf eine Kommission auslagert und die deutsche Infrastruktur immer maroder wird, steigt das Vertrauen in den deutschen Staat: Die Rendite der zehn-jährigen Bundesanleihe ist vom 18.05. bis zum 25.06. von 3,17 auf 2,86 Prozent gesunken. Diese Entwicklung beweist, dass Investoren sich wieder mit niedrigeren Risikoaufschlägen zufriedengeben – und das, obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) gerade die Leitzinsen erhöht hat, um der Inflation entgegenzuwirken. Auch das ist alles andere als logisch.

Sinkende Bauzinsen – nur ein vorübergehendes Phänomen?

Für alle, die sich aktuell um eine Baufinanzierung bemühen, ist diese Entwicklung dennoch erfreulich. Denn wenn die Renditen der Bundesanleihen sinken, sinken im Schlepptau stets auch die Bauzinsen. Und zumindest dieser Mechanismus scheint noch zu funktionieren: Statt 4,09 Prozent (Mitte Mai) zahlen Interessenten Ende Juni nur noch 3,97 Prozent im Mittel.

Die Frage ist nur: Wird dieser Trend anhalten oder sehen wir gerade nur eine Delle bei den Bauzinsen?

Angesichts des Zustands der Welt sind eindeutige Prognosen natürlich schwierig. Aus meiner Sicht ist es aber durchaus denkbar, dass der Abwärtstrend sich fortsetzt – auch wenn es etliche Unsicherheitsfaktoren gibt.

Alles kann, nichts muss

Möglich wäre es zum Beispiel, dass die deutsche Regierung es weiterhin schafft, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.  Gelingt es etwa, die Energiekosten zu senken, könnte dies die dringend benötigten wirtschaftlichen Impulse auslösen. Dadurch würden (potenzielle) Investoren sehen, dass Deutschland nach Jahren der Stagnation wieder erstarkt und ein Schuldner ist, dem man gern sein Geld anvertraut.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Regierung sich bisher oft vor unangenehmen Entscheidungen gedrückt hat. Zudem besteht eine große Unsicherheit wegen der anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und in Mecklenburg-Vorpommern. Je nachdem, wie gut oder schlecht die Extremisten dort abschneiden, wird auch das das Vertrauen in den deutschen Staat beeinflussen.

Lieber zugreifen als pokern

Wie also sollten Käufer und Eigentümer agieren, die dieser Tage eine Finanzierung brauchen?

Für mich sind die kommenden Wochen ein guter Zeitraum, um den Sack zuzumachen – egal, ob es um einen ersten Baukredit oder eine Anschlussfinanzierung geht.

Allerdings gibt es eine Einschränkung: Bei Forward Darlehen mit Vorlaufzeiten von mehr als sechs Monaten wäre ich vorsichtig. Sollten wir im ersten Halbjahr 2027 weitere Zinssenkungen sehen, wäre eine solche Sicherheitsentscheidung nachteilig. Und weil nicht nur die Arbeit der deutschen Regierung Einfluss auf die Zinsen hat, sondern zum Beispiel auch der Ukraine-Krieg oder die Kongress- und Senatswahlen in den USA, sind neuerliche Abschläge nicht ausgeschlossen.

Keine dieser Entwicklungen ist vorhersehbar. Beide aber könnten das Vertrauen in den deutschen Staat als verlässlichen Schuldner verbessern. Anfang 2027 könnte es daher zu einer leichten (weiteren) Abwärtsbewegungen bei den Bauzinsen kommen. Kurz gesagt: Bei den Bauzinsen werden wir bis auf weiteres wohl keinen eindeutigen Weg nach unten sehen, wohl aber ein kontinuierliches Auf und Ab.

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