Keine Panik – die Zinsen sinken!
„Bauzinsen auf 17-Jahres-Hoch“. - „Ist Baugeld bald unbezahlbar?“- „Bauzinsen steigen“. Die Schlagzeilen der vergangenen Woche waren alles andere als beruhigend. Und sie waren falsch. Denn während die Medien noch Panik verbreiten, ist die Realität bereits deutlich entspannter.


Ich ärgere mich immer wieder, wenn Zeitungen, egal ob Boulevard-Blätter oder Wirtschaftszeitungen, nach Wochen einer Entwicklung nach oben, einen (vergangenen) Bauzins-Trend weiter Zukunftsvision verkaufen.
Genau das passiert aber im Moment. Und damit ist niemandem geholfen – am allerwenigsten jenen, die gerade über einen Hauskauf oder eine Umschuldung nachdenken. Vielleicht ist es ja wirklich so, dass sich schlechte Nachrichten besonders gut verkaufen.
Anders ist diese Art der Berichterstattung jedenfalls nicht zu erklären.
Ich verstehe es ja, dass die großen Vermittlerorganisationen und auch Bankvorstände nicht ohne weiteres sagen können: Liebe Leute, wartet ab, in ein paar Wochen werden wir wieder niedrigere Zinsen haben. Denn das würde das (aktuelle ohnehin schleppende Geschäft) erst recht abwürgen.
Die Fakten rechtfertigen es aber nicht, die Furcht vor steigenden Bauzinsen hochzuhalten.
Deutschland erholt sich
Die Höhe der Bauzinsen in Deutschland hängt stark von der Rendite der Bundesanleihe ab. Hohe Renditen lassen die Bauzinsen steigen, niedrige Renditen lassen sie sinken.
Doch während die Staatspapiere eine Weile lang immer höhere Erträge brachten, sinken die Renditen inzwischen wieder. Erzielte man im Ende September noch eine Rendite von 3,64 Prozent sind es aktuell nur noch 3,38 Prozent. Dennoch schreibt die Presse weiterhin von steigenden Bauzinsen.
So stehen die G7-Staaten ökonomisch dar
Tipp: Seitlich wischen, um die gesamte Tabelle zu sehen ↔︎
Staat | Rendite 10-jährige Staatsanleihe | Bruttostaatsschulden |
Deutschland | 3,40 Prozent | 62,7 Prozent des BIP |
Frankreich | 5,05 Prozent | 115,5 Prozent des BIP |
Italien | 4,63 Prozent | 137,1 Prozent des BIP |
Japan | 2,86 Prozent | 213,6 Prozent des BIP |
Kanada | 3,79 Prozent | 110,8 Prozent des BIP |
Vereinigtes Königreich | 5,39 Prozent | 102,1 Prozent des BIP |
USA | 5,08 Prozent | 124,4 Prozent des BIP |
Quelle: IWF / imf.org |
Seriöse Prognosen müssen davon ausgehen, dass auch die Bauzinsen in nächster Zeit wieder sinken werden. Die Trendwende hat sogar bereits begonnen.
Lag der durchschnittliche FMH-Index Bauzinsen Anfang Oktober noch bei 4,64 Prozent, sind wir heute bereits bei 4,46 Prozent - und ich halte es für durchaus wahrscheinlich, dass wir auf absehbare Zeit wieder 4,35 Prozent oder weniger sehen werden.
Die Ursache dieser Entwicklung liegt in der Überlegung von Investoren, die Staatsanleihen kaufen wollen. Deutschland hat im Vergleich zu anderen großen Staaten eine relativ geringe Staatsverschuldung. Auch die Wirtschaftsprognosen sehen wieder deutlich erfreulicher aus, als noch im Frühjahr. All das – und die positiven Erfahrungen, die Investoren während anderer Krisen gemacht haben, machen deutsche Staatsanleihen wieder attraktiver. Die Nachfrage steigt – und die Renditen sinken.
Zur Erinnerung. Als die griechische Staatsschuldenkrise die EU fest im Griff hatte, profitierte Deutschland als Ankerstaat, während viele andere Staaten stark unter dem schwindenden Vertrauen der Investoren gelitten haben.
Auch in der momentanen Situation könnte Deutschland wieder der Einäugige unter den Blinden sein.
Veränderte Rahmenbedingungen führen zu angepassten Prognosen
Zugegeben. Auch ich bin habe die Bauzinsen vor einigen Wochen noch auf dem Weg Richtung fünf Prozent gesehen und nicht mehr, wie jetzt, auf 3,5 Prozent gehofft. Seitdem ist das Vertrauen in den deutschen Staat aber wieder gewachsen. Und die anderen G7 Länder haben aktuell deutlich größere Probleme mit ihrer Staatsverschuldung.
Hinzu kommt, dass an den Finanzmärkten die Sorge vor einer KI-Blase wächst. Wenn man bedenkt, dass die fünf größten Tech-Unternehmen in 2027 etwa 1,3 Billionen Dollar investieren wollen, können schön Zweifel aufkommen, ob ein solches Volumen noch gesund ist. Auch das könnte den einen oder anderen Großinvestor dazu bewegen, lieber wieder die sichere deutsche Bundesanleihe zu kaufen als wesentlich riskantere Unternehmensanleihen.
Angesichts dieser neuen Rahmenbedingungen ist es an der Zeit, die veralteten Prognosen zu korrigieren. Ich habe dazu Thomas Ruf, den Geschäftsführer von Freie Finanzierer München gefragt, wie er die Zinsentwicklung einschätzt. Seine Aussage: „Nicht nur, weil ich an einem den teuersten Immobilienmarktplätze der Republik arbeite, seit einigen Wochen ist der Immobilienmarkt München ins Stocken geraten und es bleibt die Hoffnung, dass schon stagnierende Zinsen die Nachfrage wieder etwas ansteigen lassen.“
Diese Einschätzung teilen auch wir bei der FMH und gehen aktuell davon aus, dass wir die Spitze der Bauzinsen erstmal erreicht haben und in den kommen Wochen sogar mit weiter leicht fallenden Werten rechnen können.
Bauzinsentwicklung für zehn Jahre fest


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