Nur Bargeld, bitte! Warum Kartenzahlung in Deutschland noch immer nicht überall funktioniert
Das Essen ist vorbei, die Rechnung kommt – und plötzlich ist das Kartengerät „kaputt“. Warum manche Restaurants und Geschäfte keine Karten annehmen, was sie das Bezahlen tatsächlich kostet und ob sich die Regeln bald ändern.


Ein schöner Abend im Restaurant. Das Essen war sehr gut, die Rechnung ist da. Doch als Sie Ihre Karte zücken, sagt die Bedienung: „Heute nur in bar.“ Jetzt können Sie nur hoffen, dass der nächste Geldautomat in der Nähe ist.
Solche Situationen wirken wie aus der Zeit gefallen. Schließlich bezahlen die Menschen in Deutschland inzwischen häufiger bargeldlos als mit Scheinen und Münzen. Laut Bundesbank wurden 2025 bereits 55 Prozent der erfassten Einkäufe ohne Bargeld beglichen. Trotzdem war bei rund 10 Prozent der aufgezeichneten Käufe vor Ort keine bargeldlose Zahlung möglich.
Warum hält sich „nur Bargeld“, vor allem in Deutschland, so hartnäckig?
Kartenzahlung kostet
Für ein Restaurant ist die Kartenzahlung keine kostenlose Dienstleistung. Je nach Kartenart und Karteninstitut fallen unterschiedliche Gebühren für einzelne Zahlungen, Anteile am Rechnungsbetrag und Kosten für das Terminal an. Welche Karte der Gast verwendet, macht ebenfalls einen Unterschied: Eine Girocard ist für den Betrieb in der Regel günstiger als eine internationale Debit- oder Kreditkarte.
Für Kunden lohnt sich ebenfalls ein Blick auf die verschiedenen Karten: Zum Girokonto gibt es je nach Bank unterschiedliche Karten, Gebühren und Möglichkeiten zum mobilen Bezahlen. Wer wissen möchte, welche Karte beim eigenen Konto enthalten ist und welche Alternativen es gibt, findet dies im Girokonto-Vergleich die passenden Angebote.
Gerade für kleine Läden und Betriebe können Gebühren und die Technik dennoch ein Grund sein, bei Bargeld zu bleiben. Dazu kommen eingespielte Abläufe oder die Sorge, bei einer Störung des Terminals nicht kassieren zu können. Aber auch die steuerliche Nachvollziehbarkeit der Umsätze kann ein Grund sein, Barzahlungen zu bevorzugen. Und ja: Manchmal ist das Gerät tatsächlich kaputt. Ob das immer so stimmt, können Gäste natürlich nicht beurteilen. Ärgerlich ist es immer dann, wenn man sich vorher im Internet schlau gemacht hat, dass Kartenzahlungen angeboten werden, diese jedoch dann nicht möglich sind.
Hilft das Handy, wenn keine Karte angenommen wird?
Wer seine Karte mit Apple Pay oder Google Pay verknüpft hat, braucht die Bezahlkarte zum Bezahlen nicht mehr aus der Tasche zu holen. Im Restaurant löst das aber nur ein Problem: das Vergessen der Karte. Bezahlt wird weiterhin über die hinterlegte Karte. Dafür muss der Betrieb kontaktlose Zahlungen mit dieser Karte akzeptieren. Wo grundsätzlich keine Kartenzahlung möglich ist, hilft deshalb auch das Smartphone beim Versuch zu bezahlen am Terminal nicht weiter.
Unser Tipp: Wenn Sie die richtige Karte für sich finden möchten, hilft Ihnen unser Kreditkarten-Vergleich bei der Auswahl.
Bei PayPal funktioniert das Bezahlen vor Ort anders. Betriebe können beispielsweise einen PayPal-QR-Code anbieten, den Gäste mit dem Smartphone scannen. Dafür benötigen sie kein klassisches Kartenterminal. Kostenlos ist diese Lösung für den Betrieb allerdings ebenfalls nicht: PayPal berechnet Gebühren für geschäftliche Zahlungen per QR-Code. Und ohne ein entsprechendes Angebot des Restaurants lässt sich die Rechnung auch mit einer installierten PayPal-App nicht einfach auf diesem Weg begleichen.
Das Smartphone eröffnet also zusätzliche Wege zum Bezahlen. Ob einer davon am Ende des Restaurantbesuchs funktioniert, entscheidet aber weiterhin das angebotene Zahlverfahren.
Muss bald jedes Restaurant Karten akzeptieren?
Bislang müssen Restaurants und Geschäfte keine Kartenzahlung anbieten. Die Bundesregierung möchte das ändern: Beim Bezahlen im Alltag sollen grundsätzlich weiterhin Bargeld und zusätzlich mindestens eine digitale Zahlungsoption möglich sein. Nach dem von der Deutschen Presse-Agentur beschriebenen Vorhaben des Bundesfinanzministeriums soll eine Regelung 2027 umgesetzt werden. Beschlossen ist eine solche Pflicht bislang nicht. Auch wie sie genau aussehen und welche Ausnahmen es geben könnte, ist noch offen.
Bargeld bleibt für viele Menschen wichtig, etwa weil sie ihre Ausgaben so besser im Blick behalten oder digitale Verfahren, einfach aus Gründen der Kunden-Transparenz, nicht nutzen möchten. 80 Prozent der von der Bundesbank Befragten halten es für wichtig, dass sie weiterhin bar bezahlen können.
Ob bar, mit Karte oder per Handy: Am Ende des Restaurantbesuchs oder der Einkauf beim Bäcker sollte die Bezahlfrage keine Überraschung sein. Bis sich die Regeln ändern, hilft Gästen vor allem ein kurzer Blick auf die angebotenen Zahlungsmittel – möglichst, bevor sie bestellen, sofern das Kartenzahlungsgerät nicht doch mal wieder „kaputt“ ist.

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